Musical "Die wilden 60er"

Von wegen: Mies nur Friede, Freude, Eierkuchen


(Von Christoph Pflaumbaum)
Genthin.,, On a warm San Francisco night...“, hörte man Eric Burdon aus den Boxen der Musikanlage trällern. Am Mittwochabend in der Aula des Bismarck-Gymnasiums hätte das Lied auch ohne weiteres für Genthin gelten können: eine brütende Hitze war Ursache für eine emsig fächernde Gästeschar bei dem 60er-Jahre-Musical. Doch die Wärme sollte den Premierengästen nicht die Stimmung trüben...
Sage und schreibe 97 Mitwirkende arbeiteten ein halbes Jahr intensiv an einem 60er- Jahre-Musical, das durch seine Abwechslung, Vielseitigkeit und Überraschungen den Zuschauer ohne Probleme für sich gewinnen konnte.
So war die Begeisterung am Ende groß.
Den zahlreichen Akteuren fiel ein Stein vom Herzen. Jeder Schritt passte bei den Tanzmädels der „Crazy pies“, die Töne wurden vom Chor getroffen und die kleine Schauspieler-Riege konnte sich auf Textsicherheit berufen, als sie von Dutschke, Woodstock oder Vietnam berichtete. Dabei schaffte das Ensemble auf verschiedenste Art und Weise ein ereignisreiches Jahrzehnt in ein zweistündiges Programm zu verpacken.
Musikalisch zeigte sich der Schulchor. Ulrike Möbes (Gesang) und Sabine Becker (Gitarre) bewiesen, dass man auch zu zweit den musikalischen Nerv der Zeit treffen kann.
Mit viel Witz und Humor wurde der Zuschauer durch ein turbulentes Jahrzehnt geführt, wobei auch der nötige Ernst nicht fehlte.

Als zum Beispiel ein großes Sit-In mit den Sprechchören des Lennon-Klassikers „Give Peace a Chance“ abgehalten wurde und die Polizei diesen friedlichen Protest brutal beendete, entstand eine gespenstische Stille mit Gänsehaut Garantie.

"Keinen Groschen, keinen Mann... ...für den Krieg in Vietnam" ruft die zierliche Cesrin Laubvogel in der kleinen Hippie Kommune.
Ganz klar: die 68er-Jugend- Generation stritt nicht nur darüber, ob nun die Beatles oder die Rolling Stones die bessere Band waren. Die 60er Jahre waren geprägt von einer Protestkultur gegen einen in seinen Ausmaßen mehr als fragwürdigen Krieg in Vietnam, gegen ein konservatives Deutschland mit seinen „Hetz Blättern“ oder gegen die traditionelle Rolle der Frau.
Und die 68er Protestkultur gab es auch im Osten. Mit dem Prager Frühling sehnte man sich nach einem Sozialismus „mit menschlichem Antlitz“. Durch die Beatmusik suchte man nicht nur in der DDR nach einer Form der Rebellion, nach individuellem Anderssein. Tänzerisch, gesanglich und rezitatorisch schaffte das Ensemble einen durchaus schwierigen Balance-Akt zu überwinden.
Diese sehenswerte Unterhaltung, gepaart mit spielerischer Informationsvermittlung wurde zum Genuss für Geschichts- und Musikinteressierte „on a warm Genthin night..."
Wie einst in der Kommune 1.  

 

Genthin(ml) - Die Tanzgruppe "crazy pies" des Bismarck-Gymnasiums ist durch ihre Auftritte in der Öffentlichkeit bekannt und erfreut sich großer Beliebtheit.

Vor zwei Jahren machten die Gymnasiasten mit dem Tanz-musical "Disco fever" von sich reden. Mit zehn Vorstellungen vor vollem Haus hatte die Tanz-gruppe einen unglaublichen Erfolg. Da Kultur in Form von Theater, Musical und Chorkon-zerten am Gymnasium groß ge-schrieben wird, bereitet die Tanzgruppe mit ihrer Leiterin Kerstin Mosig ein größeres Pro-jekt in eigener Regie vor. Wie Kerstin Mosig in einem Gespräch gegenüber dem General-Anzeiger ankündigte, soll es in die 60er Jahre gehen. Begriffe wie "68er" oder "flowerpower" sind vielen bekannt. Die Initiatoren wollen einen Bogen von der Beat-Generation Anfang der 60er Jahre bis hin zum "Summer of love" der Hip-pies 1969 spannen.

Im Juni soll das neue Project stehen. Den Zuschauern erwarten viel Gesang und Tanz, dargeboten von etwa 70 Akteu-ren (Chor, Sprechergruppe und Tanzgruppe).